Über mich –
Gerhard Roth
Ich weiß, wie sich Stille anfühlt.
Nicht die angenehme, sondern die, die trennt – von Gesprächen, Beziehungen, Musik, Freude.
Über viele Jahre habe ich erlebt, wie die Welt um mich herum leiser wurde, wie ich mich zurückzog und irgendwann fast ganz verschwunden wäre.
Heute stehe ich auf Marktplätzen, in Kliniken, Senioreneinrichtungen und direkt vor Haustüren, um Menschen zu sagen: Du musst da nicht allein durch. Es gibt Wege zurück.
Wer ich bin?
Gerhard Roth, Cochlea-Implantat-Träger, Hörpate, Begleiter.
Geboren 1952, in Niedernhausen lebend.
Bis 2014 war ich beruflich fest im Leben – Vertrieb, Selbstständigkeit, Engagement im Karneval, Sport, Golf. Doch je schlechter ich hören konnte, desto kleiner wurde meine Welt. 2013 folgte Burnout, Klinikaufenthalt und der Moment, an dem mir klar wurde:
Wenn ich mein Leben zurückhaben möchte, muss ich wieder hören.
Am 09. Januar 2014 begann mein neues Leben.
Drei Entscheidungen, die alles verändert haben
- Erste CI-OP 2014 – durchgeführt von Dr. Torsten Mewes, ohne Reha, ohne Komplikationen. Ich wollte nach Hause. Mir ging es gut.
- Zweite CI-OP 2018 – diesmal mit Reha, diesmal mit bewusstem Nachsinnen, mit Dankbarkeit.

Hutch - mein Begleiter
In dieser Zeit kam Hutch in mein Leben – eine Continentale Bulldogge, mein Seismograf, mein Trost, mein Gegenüber.
Heute ist er seit Novemer 2025 nicht mehr an meiner Seite, aber in meinem Herzen nach wie vor „mein bester Freund“.
Selbsthilfe, Teilhabe, Begleitung
Im Mai 2014 gründete ich meine eigene Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen, Ängsten und Blockaden.
Zwischen 15 und 30 Menschen kamen vier Jahre lang jeden Donnerstag zusammen – nicht, um perfekt zu sein, sondern um ehrlich zu sein.
Wir haben uns gesehen, gehört und gegenseitig getragen. In diesen Runden entstand nicht nur Austausch, sondern Erleichterung: endlich Worte finden, endlich verstanden werden, endlich nicht mehr allein kämpfen müssen.
Diese Jahre haben mir gezeigt, dass es nicht das fehlende Hören ist, das Menschen isoliert – sondern das Nicht-Gesehenwerden. Dort, wo jemand zuhört und Gegenüber ist, entsteht Teilhabe, Selbstvertrauen und der Mut, Entscheidungen nicht aufzuschieben, sondern anzugehen.
Warum ich heute auf die Straße gehe?
Weil niemand verstehen kann, was es bedeutet, nicht mehr zu verstehen, außer jemand, der dort war.
Ich gehe zu Menschen, nicht zu Zielgruppen.
Ich spreche nicht über Implantate, sondern über Leben.
Lebensqualität, Mut, Entscheidungen, Würde.
Alles andere ist Technik – und die kommt später.
Freundschaften statt Kontakte
Dank meiner Einsätze entstanden Verbindungen, die bleiben.
- Mia Sophia – ein Kind, das zeigt, wie stark Hoffnung klingt.
- Monika Gruber – 86 Jahre, CI-versorgt, lebensfroh, täglich im Austausch mit mir.
Diese beiden stehen für viele.
Manchmal heilt nicht Technik, sondern Beziehung.
„Das Ohr ist der Weg zum Herzen“
Madeleine de Scudéry (1607 -1701)
